Die Zeit

Das Handy funkt dazwischen

Urlauber können in diesem Sommer günstiger telefonieren und sorglos surfen

Erschienen:

  • 1. Juli 2010
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Das kennt wohl jeder: Man verpasst im Ausland einen Anruf auf dem Handy, hört nur mal kurz die Mobilbox ab – und ärgert sich später über horrende Kosten auf der Abrechnung. Denn wenn der Urlauber nicht abnimmt, wird das Telefonat nach Deutschland zurückgeschickt und landet erst danach auf dem Band. So bezahlen Handybesitzer die teure Auslandsverbindung gleich zweimal. Zumindest innerhalb der EU ist das vom 1. Juli an passé. Dann darf der Empfang von Nachrichten auf der Mailbox nichts mehr kosten, nur noch die Abfrage.

Auch das Telefonieren selbst wird billiger: Wer aus dem EU-Ausland zu Hause anruft, muss von Juli an maximal 39 Cent pro Minute zahlen, wer Anrufe erhält, 15 Cent. Zurzeit sind es noch 43 beziehungsweise 19 Cent. Außerdem müssen Mobilfunkanbieter solche Telefonate künftig bereits nach der ersten halben Minute sekundengenau abrechnen. Am 1. Juli 2011 werden die Preise nochmals gesenkt. Sehr günstig sind schon heute SMS – der Versand von Kurzmitteilungen aus dem Ausland kostet maximal 13 Cent, weniger als die innerhalb Deutschlands gängigen 19 Cent.

Die Mobilfunkbetreiber sind darüber naturgemäß nicht glücklich. Der deutsche Branchenverband Bitkom klagt, würden die Preise künstlich niedrig gehalten, fehle den Unternehmen Geld für Investitionen in den Netzausbau. Doch sie werden sich wohl mit der Situation abfinden müssen. Anfang Juni entschied der Europäische Gerichtshof, dass die EU-Verordnungen, die den Obergrenzen zugrunde liegen, rechtmäßig seien. Damit können weitere Preissenkungen erzwungen werden.

Auch für Urlauber, die auf Reisen gerne mit ihrem Handy oder Smartphone surfen, gelten neue Regeln: Die Anbieter müssen bei ihren Kunden eine sogenannte Kostenbremse aktivieren. Haben die Reisenden im Ausland 50 Euro versurft, wird die Verbindung automatisch unterbrochen. Nur wer die Kostenbremse per Tastendruck ausdrücklich aufhebt, kann weitermachen. 50 Euro sind schnell erreicht. Schon ein per E-Mail versandtes Urlaubsfoto ist oft zwei bis drei Megabyte groß. Und die Anbieter dürfen sich untereinander, wiederum eine EU-Vorgabe, einen Euro pro Megabyte für den Datentransfer berechnen. Zwei bis drei an die Verwandtschaft gemailte Strandbilder können also 10 Euro kosten. Deutlich teurer wird es, wenn ein Urlauber mal eben ein YouTube-Video herunterlädt. Manchmal merkt der Nutzer nicht einmal, dass er gerade im Netz ist – Apps wie die von Facebook, die man auf seinem Smartphone installieren kann, sind ständig online und verursachen Kosten.

Um ganz sicherzugehen, sollte man das sogenannte Datenroaming deaktivieren, also das Smartphone im Ausland völlig vom Internet abkoppeln. So halten es Profis, die beruflich viel reisen. »Ich gehe höchstens mal nur ganz kurz online, wenn ich eine dringende E-Mail erwarte«, sagt Jan Bause, Vertriebsleiter des IT-Servicedienstleisters Intact IS, der regelmäßig in Österreich, Großbritannien und der Schweiz unterwegs ist. Urlaubern, die öfter ins Internet wollen, empfiehlt er, sich vor Ort einen UMTS-Stick mit Prepaid-SIM-Karte zu kaufen: »Den gibt es in Elektronikkaufhäusern für 30 bis 40 Euro, ein Gigabyte Daten inklusive. Und danach erwirbt man nur so viel Datenvolumen, wie man braucht.«

Auch beim normalen Telefonieren hilft der Trick mit der SIM-Karte. Man kauft sich vor Ort eine Prepaidkarte und legt sie ins eigene Gerät. Das Telefon hat dann allerdings eine neue Nummer, die Freunden und Verwandten zu Hause mitgeteilt werden muss. Eine Prepaidkarte lohnt auch, wenn man häufiger im Urlaubsland selbst herumtelefoniert – etwa als Rucksacktourist in Hotels und Jugendherbergen anruft, um zu fragen, ob noch ein Zimmer frei ist. Denn so spart man die Roaminggebühr, also das Geld, das die heimischen Anbieter dafür kassieren, dass sie auswärtigen Nutzern Zugang zu ihrem Netz gewähren.

Wem es zu mühsam ist, im Urlaub eine Prepaidkarte zu besorgen, der kann sich ein kostenloses WLAN suchen – manche Hotels und Cafés bieten das an – und einen Online-Telefonanbieter wie Skype nutzen. Um das einfacher zu machen, vertreibt der Brite Richard Leyland ein kostenloses Programm namens WorkSnug. Hat der Nutzer es auf seinem Smartphone installiert, hält er das Gerät in einer fremden Stadt einfach in die Luft, und auf dem Bildschirm erscheinen kleine Schildchen, die auf Gebäude weisen, in denen es WLAN gibt. »Egal, ob in London, Barcelona, New York, Den Haag, Paris oder Berlin – man sieht auf einen Blick, wo man umsonst online gehen kann«, so Leyland.

WorkSnug ist zwar eigentlich für reisende Geschäftsleute gedacht, aber auch Touristen dürften sich an der Erfindung freuen. Es gibt nur einen Haken: Um das WLAN-Café zu entdecken, muss WorkSnug erst mal mit dem Handy online gehen, denn Dienste wie diese funktionieren wiederum nur übers Internet. So kann schon die Suche nach der günstigsten Verbindung nach Hause ganz schön teuer werden.