Stern

Prügel für Promis

Beim CELEBRITY DEATHMATCH schlachten sich bislang US-Stars gegenseitig ab. Jetzt gehen bei MTV auch Schröder, Juhnke und Setlur aufeinander los

Erschienen:

  • 22. März 2001

Fotos:

  • Theodor Barth
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Zart besaitete Leser sollten an dieser Stelle vielleicht besser weiterblättern, denn die hier zu beschreibenden Vorgänge sind nicht schön. Sie sind im Gegenteil recht blutrünstig. Es geht um allseits beliebte Prominente wie Sabrina Setlur, Gerhard Schröder oder Stefan Raab, die sich auf besonders widerwärtige Weise gegenseitig – man muss das so deutlich sagen – niedermetzeln.

Schuld daran ist Elmar Giglinger. Der Programmchef des Musiksenders MTV beschloss 1999, ein amerikanisches Fernsehformat nach Deutschland zu importieren: die in den USA inzwischen äußerst populäre Serie "Celebrity Deathmatch", in der sich seit 1997 Stars aus Film, Musik, Politik und Sport gegenseitig in einem Boxring zu Klump hauen.

Die Berühmtheiten werden als Trickfilmpuppen zum Leben erweckt, um sie gleich darauf umso schöner sterben zu lassen. Schon in der ersten US-Folge schlachtete Schockrocker Marilyn Manson Massenmörder Charles Manson, und diese Paarung war bereits typisch für die humoristische Härte der Satire-Sendung. "Celebrity Deathmatch" unterläuft mühelos alle Geschmacksgrenzen und etablierte so gleichzeitig einen respektlosen Umgang mit Stars. Das wollen amerikanische Teenager sehen – kaum eine andere MTV-Sendung hat so hohe Zuschauerquoten. Derzeit entsteht ein Kinofilm zur Serie; und mittlerweile haben die US-Folgen auch hier eine Fan-Gemeinde.

Doch jetzt hat Elmar Giglinger getan, was deutsche TV-Manager immer tun, wenn sie sehen, dass ein Format im Ausland über längere Zeit Erfolg hat: Er hat eine lokale Adaption in Auftrag gegeben. Ausgerechnet im beschaulichen Stuttgart fand der MTV-Mann einen Haufen junger Leute, die verrückt genug waren zu verstehen, worum es bei "Celebrity Deathmatch" geht, und professionell genug, diese Idee auch umzusetzen. Die Firma "Film Bilder" hat zuvor die Trick-Sequenzen für "Lola rennt" animiert, das Engelchen und das Teufelchen der Sat-1-Show "Rache ist süss" in Szene gesetzt und das wandernde Strichmännchen aus dem Musikvideo von Gigi D`Agostino.

Inzwischen steht Regisseur Andy Kaiser, 31, im engen Studio zwischen zerstückelten Körpern und hohlen Köpfen und überlegt, auf welche Weise der Rapper Thomas D am besten den Kollegen Xavier Naidoo hinstrecken könnte. "Naidoo kratzt dem Thomas D Kreuze in den Lack seines Wohnmobils", erklärt der schwarzhaarige junge Mann ernst: "Da wird Thomas D natürlich wütend, und los geht‘s..." Andy Kaiser redet gern über seine meuchelnden Männlein. Auch wenn die Figuren in den USA gefertigt wurden - dies ist jetzt seine Serie. Kollegen berichten respektvoll, der Regisseur werkele täglich 14 Stunden am Set, lebe nur noch von Pizza und Kaffee.

"Wir haben uns das Original sehr genau angeschaut", sagt Kaiser. "Wir mussten viel experimentieren, um die Effekte hinzukriegen." Nach einigem Herumprobieren kam er auf folgende Tricks: Für Blut nimmt man roten Filzstift oder Wachs. Eingeweide lassen sich hervorragend mit angemaltem doppelseitigem Klebeband imitieren.

Die etwa 30 Zentimeter großen Puppen bestehen nicht, wie es zunächst aussieht, aus Knetmasse, sondern aus Schaumstoff. Während der Keilerei werden gestauchte Gesichter und geknickte Gliedmaßen aus Knete anmodelliert. Am Ende der Prozedur sind die Puppen weitgehend zerstört. Kein Wunder, wenn Sabrina Setlur – autsch! – die Brüste von Anke Engelke abreißt oder Harald Juhnke mit einem Ruck Udo Lindenbergs Arme amputiert.

Eine Mitarbeiterin sorgt für Nachschub, baut anhand eines medizinischen Fachbuchs das Skelett von Thomas D nach. Andere Trick-Künstler sitzen am computergesteuerten Feinschliff, um das Promi-Massaker noch realistischer aussehen und klingen zu lassen. "Wir diskutieren über Gewalt", sagt der Regisser. "Aber nicht, ob wir sie zeigen, sondern nur, wie."

Thomas Meyer-Hermann, 44, Geschäftsführer der Firma, sitzt im geräumigen Studio-Loft und sortiert die Zahlen: MTV hat elf Episoden à 90 Sekunden geordert – anders als im Original, wo sich die Schaumstoff-Promis bis zu einer halben Stunde lang zerfleischen. Laut MTV kostet eine Sendeminute etwa 35 000 Mark, für einen Musiksender ein Riesenbudget. "Für uns ist das ein Prestigeprojekt", sagt Meyer-Hermann, "nichts zum Geldverdienen." Für jedes der 25 Digitalkamerabilder pro Sekunde müssen zehn Spezialisten die Puppen millimeterweise weiterbewegen.

Produktionsleiterin Sonja Waldraff plagen derweil ganz andere Sorgen: "Noch weiß keiner der Promis, was wir hier mit ihnen anstellen." Auftraggeber Giglinger gibt sich unbeschwert: "Wir haben mit unseren Anwälten geredet: Das ist klar eine Satire und außerdem witzig."

Ganz so harmlos wird der Spaß wohl doch nicht – wenn die Sendung im Mai startet, sollen die Kids nicht dabei sein. Giglinger: "Bei unseren Verhandlungen über eine deutsche Sendelizenz hatte die Bayerische Landesmedienanstalt eine einzige Auflage: 'Celebrity Deathmatch' nur nach 20 Uhr."