Stern

Was macht eigentlich Holly Johnson?

In den Achtzigern stand der Sänger der Band FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD mit Hits wie "Relax" an der Spitze der Charts. Vor zehn Jahren erfuhr der Brite, dass er HIV-positiv ist

Erschienen:

  • 9. September 2001

Fotos:

  • David Harrison
  • Peters Ashworth
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Guten Tag.

Sie sprechen Deutsch, Herr Johnson?

Ganz wenig. Mein Manager und Partner Wolfgang Kuhle ist Deutscher. Wir leben seit 17 Jahren zusammen. Manchmal besuchen wir seine Familie, die bei Frankfurt lebt, und so habe ich ein paar Worte in seiner Sprache gelernt. Außerdem waren Frankie Goes To Hollywood in Deutschland sehr populär, und in den 80er Jahren war ich oft bei Ihnen.

Sie sind jetzt 41...

...und sehr froh, noch am Leben zu sein.

Sie sind HIV-positiv.

Anfang der 90er Jahre wurde bei mir die Infektion festgestellt, und die Prognose war nicht gut. Seit 1996 werde ich zum Glück mit der Kombinationstherapie behandelt. Seitdem geht es mir gesundheitlich sehr viel besser.

Interessieren Sie sich noch für die aktuelle Pop-Musik?

Ach, die ist heute so konservativ. Zum Beispiel Jungs-Bands wie Westlife oder Boyzone. Die Musik hat keine Botschaft, außer vielleicht: Sei magersüchtig! In den 80ern hießen die Boygroups Duran Duran oder eben Frankie Goes To Hollywood, aber die Mitglieder waren interessante Individuen. Bei uns ging es auch um Mode, aber immer gleichzeitig um Politik.

Ihrer Band wurde aber auch vorgeworfen, ein oberflächliches Kunstprodukt zu sein.

Merkwürdigerweise. Dabei hatten wir jahrelang gemeinsam Musik gemacht. Vielleicht kam der Vorwurf durch den perfekten Sound unserer Platten zustande, der vom Produzenten im Studio kreiert wurde. Aber wir hatten alle Lieder selbst geschrieben und unser aggressiv sexuelles Image...

...Leder-Outfit, ein Hit über Fellatio.

Ja, das stand vorher fest. Es ging übrigens nicht nur um Sex. Einer unserer größten Hits, "Two Tribes", war ein Song gegen den Kalten Krieg und Atomwaffen. Oder "The Power of Love" - eine Liebesballade. Auf die sprechen mich heute noch Menschen an und erzählen, wie viel sie ihnen bedeutet.

Nach zehn Jahren Pause erschien vor einigen Monaten Ihr Album "Soulstream".

Ich war sehr krank, da ist einem nicht nach Singen. Ich hatte eher das Gefühl, ich dürfte keine Zeit verlieren, meine künstlerische Hinterlassenschaft zu vervollständigen. Denn es war ja nicht klar, wie lange ich noch leben würde. Ich fing wieder an zu malen, was ich immer schon gern getan habe, stellte die Bilder aus. Und ich habe meine Autobiografie veröffentlicht.

Ihre Karriere als Maler entwickelte sich recht erfolgreich. Heute stellen Sie in namhaften britischen Galerien aus.

Ja, mit Künstlern wie Damien Hirst oder Tracey Emin. Dieses Jahr war ich sogar bei der renommierten "Summer Exhibition" der Royal Academy of Arts in London dabei. Eine große Ehre.

Beschreiben Sie mal Ihre Art der Kunst.

Sie erinnert vielleicht ein wenig an Warhol, ist größtenteils figurativ. Die Themen haben mit meiner Kindheit zu tun. Es kommen Seeleute vor, denn mein Vater war Matrose, und ich bin in der Hafenstadt Liverpool aufgewachsen.

Die Matrosen auf Ihren Bildern sind recht gut gebaut, mit entblößten Oberkörpern...

...Sexualität ist ein Thema, ja.

Sie haben eine Serie mit Penissen gemalt.

Auch Penisse sind hin und wieder ein Motiv. In meinen Bildern wie im Leben.

Kunst für Homosexuelle?

Nein, Männer auf Bildern abzubilden ist heute viel üblicher als früher. Und das gefällt doch nicht nur schwulen Männern.

Sie sind kein Schwulen-Aktivist?

Ich bin eher ein Menschen-Aktivist.