Stern

Zwei Fäuste für ein Halleluja

Er war der Größte: Box-Ikone Muhammad Ali. Jetzt spielt ihn WILL SMITH in Michael Manns längst überfälliger Filmbiografie

Erschienen:

  • 26. April 2001
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Es heißt, der Mann konnte schweben wie ein Schmetterling und zustechen wie eine Biene. Er war der größte Boxer aller Zeiten und hatte auch die größte Klappe. Sein Leben ist Legende, und derzeit wird es unter strenger Geheimhaltung verfilmt: Muhammad Ali alias Cassius Clay, vielfacher Boxweltmeister im Schwergewicht und der wohl bekannteste Sportler dieser Disziplin. Jetzt darf Will Smith, bekannt aus Millionen-Hits wie "Independence Day" und "Men in Black", den schwarzen Volkshelden spielen. Er hat monatelang hart trainiert, um so muskulös zu werden wie sein Vorbild. Und er sieht ihm erstaunlich ähnlich, wie erste Bilder von den Dreharbeiten beweisen.

Die Geschichte dieser Fotos ist mindestens so abenteuerlich wie die des gesamten Films: Während die Boxszene zwischen Ali und Sonny Liston gedreht wurde – der Originalkampf fand 1964 statt und brachte dem jungen Clay den ersten WM-Titel -, standen um den Ring herum Dutzende Statisten mit Kameras. Leeren Kameras, denn Bilder am Set zu machen war streng verboten. Doch ein Fotograf hatte sich mit falschem Namen unter die Schauspieler gemischt, und seine Kamera war geladen.

Die verbotenen Bilder zeigen einen Will Smith in Topform. Für den 32-jährigen Superstar aus Philadelphia ist Ali die Rolle seines Lebens. Als die Produktionsfirma Sony drohte, das Projekt abzublasen, weil das geplante Budget von 105 Millionen Dollar nicht reichte, bot Smith an, mit eigenem Geld einzuspringen. Und bevor im Januar dann endlich der Dreh losging, holte er noch schnell seine Frau Jada Pinkett Smith dazu - sie spielt Alis erste Frau.

Vermutlich lohnt sich Smiths persönliches finanzielles Engagement, denn Regisseur des Faustkampf-Epos ist Michael Mann. Der Erfinder der Kult-Krimiserie "Miami Vice" gilt als detailversessener Perfektionist und hat bislang nur großartige Filme abgeliefert - zuletzt die dreistündige Gangsterballade "Heat" mit Robert De Niro und das mehrfach Oscarnominierte Drama "Insider" mit Russell Crowe. Klarer Niveaugewinn für den bislang auf eher leichtgewichtige Actionfilme und Komödien spezialisierten Smith: amerikanischer Held, tragische Story, renommierter Regisseur, schwerer körperlicher Einsatz - da könnte vielleicht ein Oscar rausspringen.