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Check In: „Echte Chance, internationale Marke zu werden“

Der Begriff des Designhotels ist derzeit etwas überstrapaziert, der Motel One-Chef verwendet ihn trotzdem: »Darunter verstehen wir ein bewusst gestaltetes Hotel mit hohem Qualitätsanspruch. Als Erkennungsmerkmal haben wir den Egg-Chair von Arne Jabobsen, der in allen Häusern steht.« Ein viel zitiertes Symbol: Drucken Zeitschriften Bilder vom Motel One, wird in der Regel der markante Stuhl vor dem Natursteinkamin in der Lobby gezeigt.

Erschienen:

  • März 2009

Fotos:

  • Michael Steiner
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Der Begriff des Designhotels ist derzeit etwas überstrapaziert, der Motel One-Chef verwendet ihn trotzdem: »Darunter verstehen wir ein bewusst gestaltetes Hotel mit hohem Qualitätsanspruch. Als Erkennungsmerkmal haben wir den Egg-Chair von Arne Jabobsen, der in allen Häusern steht.« Ein viel zitiertes Symbol: Drucken Zeitschriften Bilder vom Motel One, wird in der Regel der markante Stuhl vor dem Natursteinkamin in der Lobby gezeigt.

Wer sind die Motel One-Kunden? Müller ziert sich ein bisschen: »Wir können es eigentlich nicht genau definieren. Alle Menschen, die attraktive Preise bevorzugen, aber nicht auf Qualität verzichten wollen.« Das ist jedenfalls nicht nur die jüngere Klientel, die sonst Low-Budget-Häuser in Großstädten dominiert, sondern das sind auch Städtereisende oder Mitarbeiter kleinerer und mittlerer Unternehmen.

2008 betrug der Umsatz von Motel One 42 Millionen Euro, die durchschnittliche Auslastung lag bei 70 Prozent. Aktuell hat die Kette 21 Häuser, davon 17 im Eigentum. Nicht schlecht, aber Müller plant sehr viel größer: »Wir haben derzeit 3100 Zimmer in Deutschland, weitere 10 Hotels mit etwa 3400 Zimmern sind in Bau, darunter auch in erstes Hotel in Österreich, in Wien am Westbahnhof. Das ist der Beginn der Internationalisierung.«

Müllers Ziel: Analog zu Deutschland will er mit seinem Konzept nun europäische Metropolen wie London, Paris, Mailand oder Madrid erobern. Die amerikanische Investorengruppe Morgan Stanley ist mit 35 Prozent an der Motel One Management GmbH beteiligt, einer Holding, die alle Motel One-Aktivitäten mitsamt den unternehmenseigenen Immobilien bündelt. Das ist der Türöffner zum internationalen Markt. Durch die Wirtschaftskrise sieht Müller seine Expansionspläne nicht gebremst, im Gegenteil: »In der Krise sehen wir eine große Chance, denn gerade in europäischen Metropolen wie London und Madrid waren die Immobilienpreise überhitzt. Darum haben wir haben uns bislang zurückgehalten, aber die Preise beginnen sich langsam zu normalisieren und darin sehen wir große Entwicklungschancen. Wir sind als Unternehmen sehr eigenkapitalstark.«

Dass Budgethotels in wirtschaftlich schweren Zeiten ein interessantes Produkt für preisbewusste Kunden sind, bestätigt Müller naturgemäß, wehrt sich aber gegen den Eindruck, dass er in dieser Hinsicht Gewinner der Krise sein könnte: »Insgesamt stagniert das Übernachtungsaufkommen oder geht zurück.« Zwar bleibe Motel One von der Depression der Branche relativ verschont, dennoch betont er: »Wir sind im Entwicklungsbereich sicher Gewinner der Krise, aber nicht unbedingt im operativen Bereich.«

Allein in Berlin, an der Urania und am Schloss Bellevue, entstehen derzeit zwei neue Motel One-Häuser mit über 650 Zimmern. Ist die Hauptstadt nicht längst übervoll mit Hotels? Das sieht Dieter Müller anders: »Der Berliner Markt hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt – er ist inzwischen einer der erfolgreichsten in Europa. Wir sehen dort immer noch ein sehr großes Potenzial, insbesondere in unserer Nische.« Neben Business, das sich sehr gut entwickelt habe, sei Berlin vor allem für Städtereisen sehr attraktiv – »an dem Kuchen mitzunaschen, dafür ist Motel One mit seinen zentralen Lagen prädestiniert.«

Überhaupt – der Zuwachs an Attraktivität, den Berlin erlebt hat, hänge ja gerade mit der gewachsenen Zahl von Hotels zusammen: »Es gibt keine Destination in Europa, die ein ähnlich gutes Hotel-Angebot hat. Dadurch werden Kongresse angezogen und davon haben wir in den letzten Jahren sehr stark profitiert. Berlin ist die zweitstärkste Kongressdestination in Europa geworden. Und diese Gäste kommen auch zu uns.«

Müllers Erfolgsgeschichte und sein Konzept für Motel One klingen im Rückblick enorm naheliegend – dennoch ist kein anderer darauf gekommen. »Die bisherige Übersetzung von Low Budget war ›preiswert‹ im Sinne von sehr günstigen Materialien«, so Müller. »Man hat also nicht nur am Raum gespart, was ja eigentlich die Essenz ist, sondern eben Plastikstühle eingesetzt. Das sah man den Hotels auch an und das hat jeder so hingenommen.«

Dem gewieften Kaufmann war klar, dass die Nische der Low-Budget-Hotels sehr schwach besetzt war, in Deutschland, aber auch in Europa. Er überlegte also: Wie kann ich etwas machen, mit dem ich mich sehr gut identifizieren kann, Häuser, in denen ich auch selbst wohnen würde? Müller: »Ich habe nicht so einen ausgefallenen Geschmack, bin eher Mainstream.« Wirtschaftlich war die Sache scheinbar einfach: Reduziert man die Fläche, kann man sehr attraktive Preise anbieten. Diese wenigen Quadratmeter dann gut auszustatten, ist vergleichsweise nicht mehr so teuer.

Dass andere günstige Ketten wie Etap oder Ibis auf seinen Zug aufspringen, sieht Müller nicht: »Die modernisieren natürlich auch, sind aber bei weitem nicht so designorientiert und trendy.« Seine Mitbewerber sieht er statt bei den Ketten eher unter Einzelhotels, »die das durchaus auch gut machen. Kleine Design-Boutiquehotels, die auch vom Preis her in diese Nische gehen.«

Seine Astron-Kette hat Dieter Müller in den 90er-Jahren groß gemacht und dann genau zum richtigen Zeitpunkt verkauft – kurz nach dem Platzen der Internet-Blase und dem 11. September. Dass dies auch sein Masterplan bei Motel One sei, bestreitet er: »Astron war im Segment der Vier-Sterne-Hotels positioniert. Dort hatte sich eine enorme Breite an Mitbewerbern angesiedelt, besonders internationale Konzerne wie Marriott. Da war es als rein nationaler Anbieter enorm schwer zu überleben.« Darum, so seine Erklärung im Rückblick, wollte er sich aus dieser Nische verabschieden und sich in einer anderen positionieren.

In der Low-Budget-Hotellerie habe er heute völlig andere Voraussetzungen. »Es gibt nicht so viele Mitbewerber«, sagt Müller: »Wir haben ein einzigartiges Produkt, mit dem wir Chancen in den internationalen Märkten haben – das bestätigen uns eigentlich auch alle großen Beraterunternehmen. Das ist sehr spannend und das ist der große Unterschied zu Astron.« 2002 sei es eine gut kalkulierte Entscheidung gewesen, sich zum richtigen Zeitpunkt aus dem 4-Sterne-Segment zu verabschieden – »auch wenn natürlich an jedem Unternehmen, das man aufbaut, Herzblut hängt.«

Aber warum solle man ein Unternehmen wie Motel One verkaufen, wenn es so erfolgreich ist? »Man wird ja viel eher die Chancen nutzen, die der Markt bietet und weiter wachsen.« Und dann verrät Dieter Müller, was ihn wirklich treibt: »Es gibt kein deutsches Hotelunternehmen von internationaler Bedeutung. Mit Motel One haben wir nun erstmals wirklich die Chance, dies zu werden. Ob wir es schaffen, wird der Markt zeigen, aber wir werden dafür kämpfen.«



DIETER MÜLLER

HOTELIER DES JAHRES


Er ist zum Hotelier des Jahres 2009 gewählt worden: Dieter Müller, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Motel One will sein Unternehmen trotz der Krise wachsen lassen und dabei die erste deutsche Hotelmarke mit Weltgeltung aufbauen. Hybris oder Chuzpe? Im Interview wirkt der 54-Jährige ganz souverän, manchmal nachdenklich und immer pragmatisch. Das Ziel ist ehrgeizig, aber diesem Mann ist es zuzutrauen.

Müller ist ein Seiteneinsteiger im Hotelgeschäft, hat Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt, bei BMW gearbeitet, wurde dann Finanzchef von Accor Deutschland, Österreich und Schweiz. 1987 macht er sich selbständig, formte aus drei markenlosen Accor-Häusern Astron, die drittgrößte deutsche Stadthotelgruppe. 2002 verkaufte er die 54 Astron-Hotels an NH und konzentrierte sich ganz auf seine 1999 gegründete Motel One-Kette.

Seit 2005 steht deren Erfolgskonzept: Viel Design für wenig Geld. Zimmer kosten 49, 59 oder 69 Euro, dazu eine zentrale Innenstadtlage in Deutschlands Metropolen und ansprechende Optik. »Die Designorientierung steht im Vordergrund «, sagt Müller, »aber der Kern ist, dass wir im Vergleich zum 4- und 5-Sterne-Bereich zwar die Fläche reduzieren, aber eine enorm hohe Qualität bieten.« Granit im Bad, hochwertige Materialien insgesamt, Bettwäsche aus 100 Prozent ägyptischer Baumwolle – »die findet man sonst nur in sehr viel teureren Häusern«, so Müller.